Was ist die aktive Bewegungstherapie?

Definition

Das Ziel bei der aktiven Bewegungstherapie ist das Gangbild des Hundes zu verbessern, Koordination und Stabilität zu fördern und die Stoffwechselprozesse im geschädigten Gewebe anzuregen.

Nach Krankheit, Operationen oder bei Fehlstellungen müssen Hunde – genau wie wir Menschen auch – den korrekten Bewegungsablauf neu erlernen und abspeichern.

Die verspannten Strukturen werden durch die aktive Bewegungstherapie gelockert und eingeschränkte Bewegungen werden wieder angebahnt.

Der Hund hat weniger Schmerzen, die Muskulatur kräftigt sich wieder bzw. wird neu aufgebaut. All dies führt zu einer gesunden Körperhaltung und so können Folgeschäden minimiert werden und die Freude an der Bewegung wird zurück gegeben!

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Wie wirkt die aktive Bewegungstherapie?

Ich verwende die speziell auf Hunde abgestimmten Geräte von Fitpaws aus den USA wie z.B. Schaukelbrett, Therapiekreisel, Physiorolle, Cavalettis, Donut, Schaumstoffmatte, Gewichtsweste etc. Diese unterstützen die Behandlung optimal auf vielfältige Art und Weise:

Bei der aktiven Bewegungstherapie werden durch intensive Gewichtsverlagerungen Belastungsphasen beübt, Gleichgewicht, Motorik, Koordination, Propriozeption und ein gezielter Muskelaufbau werden gefördert. Das Ziel ist ein physiologisches, natürliches Gangbild!

Des Weiteren werden Wundschwellungen und Ödeme abtransportiert, Herz-Kreislauf und Peristaltik werden angeregt, der Appetit steigt und auch die Psyche des Hundes profitiert von der aktiven Bewegungstherapie.

Denn nur ein gesunder Hund, der sich ohne Schmerzen bewegen kann ist auch ein glücklicher Hund!

Wann kommt die aktive Bewegungstherapie zum Einsatz?

Die aktive Bewegungstherapie wird nach OPs zur Rehabilitation und bei allen Skeletterkrankungen wie z.B. Arthrose, Spondylose oder HD/ED eingesetzt. Ausserdem ist sie bei Nervenerkrankungen wie Bandscheibenvorfall, Cauda-Equina-Kompressions-Syndrom und Lähmungen aller Art unerlässlich. Sie eignet sich auch zur Vermeidung oder Bekämpfung von Fettleibigkeit des Hundes, also zur Gewichtsreduktion, oder zur körperlichen und geistigen Auslastung für Sport- und Familienhunde.

Weitere Vorteile der aktiven Bewegungstherapie

Die Mensch-Hund-Beziehung wird durch die gemeinsame Erfüllung der verschiedenen Aufgaben verbessert und Ängste werden abgebaut bzw. entstehen erst gar nicht. Das Selbstwertgefühl des Hundes wird gesteigert. Sinnvoll ist daher auch ein Training schon im Welpenalter zu beginnen, damit die Tiere früh an verschiedene Untergründe, bewegliche Objekte usw. gewöhnt werden. Genauso ist es für einen älteren Hund absolut notwendig, regelmäßig aktive Bewegungstherapie zu betreiben um die Beweglichkeit, Koordination und den Muskelaufbau zu erhalten bzw. zu verbessern. Sporthunde profitieren ebenfalls sehr von dieser Therapieform, denn durch starke Muskeln, Sehnen und Bänder wird der Skelett optimal geschützt und gestützt. Das Verletzungsrisiko sinkt auf ein Minimum. Ständiges Training der Koordination und Konzentration fördert Schnelligkeit und Reaktionsfreudigkeit auf dem Hundeplatz oder bei Turnieren.

Fazit: Aus welchen Gründen ein Hund die aktive Bewegungstherapie auch macht, sie ist stets zu seinem Vorteil!

Behandlungsablauf der aktiven Bewegungstherapie

Wenn ein Hund nach einer Operation wieder rehabilitiert werden soll, muss einiges beachtet werden! Normalerweise werden die Hunde 1-2 Tage nach einem chirurgischen Eingriff wieder entlassen. Chirurg und Physiotherapeut sollten hier immer eng zusammen arbeiten um einen individuellen Trainingsplan für das jeweilige Tier ausarbeiten zu können.

Welche Übungen wann und in welcher Intensität durchgeführt werden sollen hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Welche OP Methode wurde gewählt?
  • Welche Gewebe wurden in Mitleidenschaft gezogen?
  • In welchem Zustand war der Hund vor der OP?
  • Wie alt ist der Hund?
  • Ist der Hundebesitzer in der Lage auch selbst mit dem Tier Zuhause zu trainieren?
  • Wie lebt das Tier, im Haus, im Zwinger?
  • Die Verwendung, z.B. Wachhund, Jagdhund, Familien oder Sporthund….?

All diese oben genannten Punkte gilt es zu beachten um jedem Hund einen passenden Trainingsplan erstellen zu können. Bei chronisch kranken oder älteren Tieren ist eine Abklärung der Beschwerden durch den Tierarzt vor Behandlungsbeginn notwendig. Nur mit einer genauen Diagnose ist es möglich auch gezielt zu behandeln!

Durch die Vielzahl der Erkrankungen am Bewegungsapparat und durch die Individualität jedes einzelnen Hundes ergeben sich viele verschiedene Möglichkeiten wie ein Trainingsplan aussehen kann. Zudem stehen zahlreiche Geräte unterschiedlicher Größe und Schwierigkeit zur Verfügung die auch oft in Kombination verwendet werden können.

Vor dem Trainingsbeginn muss der Hund aufgewärmt werden, z.B. durch eine Massage oder 30 min. laufen. Es ist während der Therapie auch stets darauf zu achten, dass der Hund nicht überfordert wird!!

Wichtig ist immer die genaue Beobachtung des Patienten durch den Therapeuten. Hierbei wird auf eine stets korrekte Ausführung bei langsamem Tempo geachtet. Denn jeder richtige Schritt ist ein Schritt in die Normalität, das heißt das Rückenmark speichert das Bewegungsmuster als richtig ab.

Je langsamer die Ausführung ist, desto eher kann der Therapeut Fehler erkennen und sofort eine Korrektur durchführen. Auch der Allgemeinzustand des Hundes sollte immer im Auge behalten werden, denn Atmung, Kreislauf und Mimik des Tieres geben Auskunft ob die Belastung zu hoch ist.

Die Sicherung durch ein gut sitzendes Geschirr mit Haltegriff und eine kurze Leine sind Pflicht beim Training da sonst die Verletzungsgefahr sehr hoch ist. Ein Hund, der einmal einen schmerzhaften Sturz während der Therapie erlitten hat, wird dadurch verunsichert oder wird sogar Angst vor dem Training bekommen.

Zudem ist natürlich auch immer auf eine gewisse Motivation bei der aktiven Bewegungstherapie zu achten, am besten nach der jeweiligen Übung mit Leckerchen oder Spielzeug belohnen, während der Übung belohnen stört die Hunde in ihrer Konzentration. Um Übermüdung oder Langeweile durch zu einseitiges Training zu vermeiden, variiert der Übungsparcours ständig. Hunde lernen sehr schnell, dass die therapeutischen Übungen mit Arbeit gleichzusetzen sind. Sie müssen aufpassen und sich konzentrieren. Daher lieber öfter kurze Trainingseinheiten wählen und mehrmals wiederholen mit Pausen dazwischen.

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Ende gut, alles gut:

Eine vollständige Rehabilitation ist erreicht wenn:

  • das Gelenk keine Entzündungssymptome mehr zeigt
  • die volle Gelenkbeweglichkeit wieder gegeben ist
  • die Extremitäten eine symmetrische Bemuskelung aufweisen
  • die OP Wunde vollständig abgeheilt ist
  • das Gelenk stabil ist
  • die volle Funktion der Extremität wieder hergestellt ist